Charles Babbage (1789 - 1812) entwarf die ersten Rechenmaschinen, die auf binärem Prinzip komplexere Rechenaufgaben lösen konnten..

Um sich über seine wissenschaftlichen Errungenschaften zu informieren, benutzen Sie am besten folgende Links:

The Babbage Pages at the University of Exeter

A Page on Babbage at the Virtual Museum of Computing (VMoC)

 

Eine weitaus weniger bekannte Eigenart Babbages war seine Begeisterung für mechanische Puppen, die er erstmals in seiner Jugend auf einer Ausstellung in London zu Gesicht bekam.

Diese Faszinaion ist deswegen so interessant, da er eine dieser Puppen, eine tanzende "Silberne Dame" später als Publikumsattraktion verwendete, um seine Rechenmaschine einem größeren Personenkreis näherzubringen.

Hier ist ein Ausschnitt aus seinen Memoiren, in dem er sein "Hobby" beschreibt:

 

I. Knabenjahre

Als ich noch ein Knabe war, ging meine Mutter häufig mit mir in Maschinen-Ausstellungen. Gut erinnere ich mich an eine am Hanover Square von einem Mann, der sich selbst Merlin nannte. Ich zeigte so großes Interesse, daß der Aussteller darauf aufmerksam wurde, und nachdem er mir einige der allgemein zugänglichen Objekte erklärt hatte, bot er meiner Mutter an, mich in seine Werkstatt mit hinaufzunehmen, wo ich noch viel wunderbarere Automaten sehen könne. Wir stiegen also in die Dachkammer hinauf, wo er zwei unbekleidete weibliche Silberfiguren von je etwa zwölf Zoll Größe aufbewahrte.
Eine der beiden ging, oder besser: glitt über eine Fläche von ungefähr vier Fuß, drehte sich dann um und ging zurück an ihren ursprünglichen Platz. Gelegentlich benutzte sie ein Monokel und verbeugte sich, als habe sie Bekannte erkannt. Die Bewegungen ihrer Glieder waren sehr graziös.
Die andere Silberfigur war eine Tänzerin mit einem Vogel auf dem Zeigefinger der rechten Hand, der mit dem Schwanz wippte, seine Flügel ausbreitete und den Schnabel öffnete. Diese Dame bewegte sich auf eine höchst faszinierende Art und Weise; ihre Augen sprachen die Einbildungskraft an und waren unwiderstehlich.
Diese Silberfiguren waren die Meisterwerke des Künstlers; sie hatten ihn Jahre unermüdlicher Arbeit gekostet und waren immer noch nicht fertiggestellt.

VII. Witz

Bei dem Versteigerungsverkauf (...) sah ich das Objekt meiner jugendlichen Bewunderung wieder Nachdem ich die silberne Figur erworben hatte, legte ich den gesamten Mechanismus in Einzelteile auseinander und fand eine Vielzahl kleiner Löcher, die man gestopft hatte, da sie offenbar ihren vorgesehenen Zweck nicht erfüllt hatten. Mit ziemlicher Sicherheit waren keine Pläne für den Automaten angefertigt worden, sondern beruhte das ansehnliche Ergebnis auf einer Vielzahl fortgesetzter Versuche.
Ich reparierte und restaurierte persönlich die gesamte Mechanik der Silbernen Dame, unter welchem Namen ich sie später bei meinen Freunden einführte. Ich stellte sie in einer Glasvitrine auf einem Sockel in meinem Salon auf Dort empfing sie diese teuren Freunde, welche mich so häufig an gewissen Sonntagabenden mit ihrer Gesellschaft beehrten, in der ihr eigenen stillen, aber anmutigen Weise. 

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Dieses mechanische Objekt bildete einen bemerkenswerten Kontrast zu dem unvollendeten Teil der Differenzmaschine Nr.1, welcher im Nebenraume stand: Der gesamte Mechanismus der letzteren existierte bereits in Gestalt von Zeichnungen und Plänen, bevor auch nur ein Teil zusammengesetzt worden war.
Die Oberfläche der schönen Figur bestand aus Silber. Es war daher notwendig, sie mit Kleidern auszustatten, die ihrem Stande angemessen waren. Dies wäre für einen Philosophen ziemlich schwierig gewesen, doch wurde mir Hilfe von ein oder zwei guten Freundinnen zuteil, die freundlicherweise intervenierten. Großzügig brachten sie ihren eigenen, erlesenen Geschmack und ihre Fähigkeiten bei der Toilette ihrer Rivalin ein.
Man fertigte Entwürfe an und beauftragte die besten Modistinnen. Das Ergebnis war im Ganzen höchst zufriedenstellend. Eines Abends aber verzögerte sich die Ankunft eines neuen Kleides so lange, daß ich fürchtete, man habe mich völlig vergessen. Die Stunde, zu der meine Freunde anzukommen pflegten, rückte immer näher.

Angesichts dieser Schwierigkeiten fiel mir ein, daß es noch einige Reste sehr schöner chinesischer Seide in der Garderobe der Silbernen Dame gab. Nachdem ich zwei Streifen ausgesucht hatte, einen rosafarbenen und einen in einem hellen Grün, wand ich hastig ein geflochtenes Band hellen kastanienbraunen Haars um den Block, auf dem normalerweise ihr Haarschmuck angefertigt wurde, und befestigte daran die Bahnen gefärbter Seide. Dies gab einen ganz passablen Turban und sah einer tock genannten Kopfbedeckung nicht unähnlich, die zu jener Zeit gerade in Mode war Ein anderes großes Stück der chinesischen Seide wand ich um ihren Körper, der dadurch sehr gut zur Geltung kam. Glücklicherweise fand ich in ihrer Garderobe auch ein Paar kleiner, rosafarbener Schuhe, aufdenen ich jeweils eine einzelne silberne Spange befestigte. Zuletzt steckte ich einen kleinen silbernen Halbmond vorne an ihren Turban und dachte dann, ich habe alles getan, was die zur Verfügung stehende Zeit und die Umstände erlaubt hatten.

 

 

 


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Aus: Charles Babbage: Passagen aus einem Philosophenleben. Übers. Von Holger Sweers. Kadmos-Verlag, 1997.

S. 13-14 und 249 ff.


 


 
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